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06.03.2021 10:18 Alter: 43 days

So fern und doch so nah: Eine Lesung mit Deepa Anappara zu ihrem Roman „Djinn Patrol on the Purple Line“/„Die Detektive vom Bhoot-Basar“


„Hello Ms Anappara, First of all, I want to thank you for giving us the time and opportunity to talk to you about your successful book. I hope you enjoyed it, I loved it. I am proud of having asked you a question.“ (Felicia Caracciolo, 10GG)

Sowohl das Buch als auch die Lesung und die Gesprächsrunde mit der indisch-stämmigen Autorin Deepa Anappara hatten in der Klasse 10 GG Eindruck hinterlassen. Dabei war der 2020 auf Englisch erschienene und bereits in 22 Sprachen übersetzte Roman „Die Detektive vom Bhoot Bazar“ zunächst so harmlos dahergekommen. Die Erzählperspektive des 9-jährigen Slum-Jungen Jai schien auf ein Buch für jüngere Leser*innen hinzudeuten. Doch schon als Jais Klassenkamerad Bahadur verschwindet, wird deutlich, dass es um ernste Themen geht und der Roman sich an ein erwachsenes bzw. älteres Lesepublikum richtet. Als weitere Kinder verschwinden, erkennt man, dass solche Vorgänge in den armen Vierteln indischer Großstädte an der Tagesordnung sind und dass die Polizei kein Interesse daran hat, die Angelegenheit aufzuklären. Bald schon kursieren in Jais „Basti“ (Slum) böse Gerüchte. In einem Klima von Angst und Anspannung lassen sich Jais hinduistische Nachbarn von ihren religiösen Führern und Politikern nur allzu leicht davon überzeugen, dass „die Muslime“ für die Entführungen verantwortlich seien. So beginnt eine Spirale der Gewalt, die kaum noch aufzuhalten ist.

Mit ihrem Deutschlehrer Jens Westenberger hatte die Klasse über einige Wochen nicht nur den Roman selbst besprochen, sondern auch die Themen beleuchtet, die in ihm angesprochen wurden: das indische Kastenwesen, Armut, Kriminalität, die untergeordnete Rolle der Frau sowie die systematische Unterdrückung und Verfolgung von Muslimen unter der aktuellen hindunationalistischen Regierung. All dies war anders als das farbenfrohe und fröhliche Bild, das die Schüler*innen aufgrund von Bollywood-Filmen von Indien gewonnen hatten. So blieben auch viele Fragen offen, die die Schüler*innen der Autorin in einer von ihrer Englischlehrerin Dagmar Hofmann moderierten Videokonferenz stellen konnten: Welche Erfahrungen sie selbst mit dem Leben im Slum, mit dem Kastenwesen und mit der Unterdrückung von Frauen gemacht habe, wurde Anappara gefragt. Ob auch Kinder höherer Kasten verschwänden?

Anappara nimmt sich Zeit für ihre Antworten. Als Journalistin hat sie mit Straßenkindern im indischen Großstadtslum gearbeitet und die Aufmerksamkeit auch auf die rund 90.000 Kinder gerichtet, die in Indien jährlich entführt werden. Anappara berichtet, dass sie im südindischen Kerala aufgewachsen ist, wo die Ungleichheit in der Einkommensverteilung, im Kastenwesen oder im Verhältnis der Geschlechter traditionell sehr viel geringer ist als im Norden, wo Armut andere Probleme nach sich zieht – so auch die Entführungen der Kinder, die immer die Ärmsten treffen.

Warum die Mehrheit der Menschen in Indien eine Partei gewählt habe, deren Politik sich gegen die muslimische Minderheit richtet, wird gefragt. Hier holt Anappara Luft. „Ich hoffe, es ist okay, wenn ich das sage, aber im heutigen Indien ist Hitler ein Held, >Mein Kampf< ist ein gefragter Bestseller. Hätte man mir vor 10 Jahren gesagt, dass Indien diese Entwicklung nehmen könnte, hätte ich es nicht geglaubt.“ So schließt sich der Kreis und es zeigt sich, dass manches, was im Roman beschrieben wird, universell ist. Wie soziale und politische Verhältnisse bis in die engsten menschlichen Beziehungen hineinwirken und Menschen ihrer Handlungsoptionen berauben können: Auch dies erzählt „Detektive vom Bhoot-Basar“.

Die Lesung am 23. Februar war Teil einer Lesereihe, die an der Otto-Hahn-Schule im Gedenken an das Attentat vom 19. Februar stattfand. Auch der Mörder aus Kesselstadt hatte „Mein Kampf“ in seinem Bücherregal stehen. So zeigt sich der enge Zusammenhang zwischen dem – geschriebenen oder gelesenen – Wort und der Handlung. Deepa Anappara jedenfalls nutzt die Sprache, um ihre Leserschaft auf vorhandene Probleme aufmerksam zu machen, dem Hass zu begegnen und für eine bessere Welt zu werben.