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10.11.2020 16:45 Alter: 21 days

Response in der Ansprechbar


In der Ansprechbar der „Otto“ findet ab sofort montags in der 5. Stunde eine Response-Sprechstunde statt.

 

Was ist „Response in der Ansprechbar“?

 

C.Tumay-Marangoz:   

 

Als Lehrerinnen ist es uns gerade in dieser Zeit sehr wichtig, unsere Schüler*innen und das Kollegium stark gegen Diskriminierung zu machen. Deshalb sind Dagmar Hofmann, Tatjana Trikic und ich ab sofort jeden Montag in der 5. Stunde in der Ansprechbar, um mit euch in dieser Sprechstunde über eure Erfahrungen in Bezug auf Diskriminierungen jeglicher Art (Herkunft, Hautfarbe, Religion, Behinderung, sexuelle Orientierung etc.) zu sprechen!  Selbstverständlich sind wir auch per Mail unter response@otto-hahn-schule.hanau.de erreichbar.

 

 

 

Was bedeutet das Wort „Response“ im Zusammenhang mit der Sprechstunde?

 

T. Trikic:

 

Das Wort response bedeutet im Englischen „Antwort“, aber auch Rückmeldung und Reaktion. Die Sprechstunde stellt eine Anlaufstelle in einer angstfreien und neutralen Umgebung dar, in der ihr anonym eure Sorgen, Ängste und Bedürfnisse äußern könnt. Wir hören euch zu und versuchen gemeinsam, eine Strategie für die Lösung eurer Anliegen zu finden, gegebenenfalls unter Einbeziehung der Klassenlehrer*innen oder Sozialpädgog*innen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Warum uns „Response“ wichtig ist?

 

D. Hofmann:

 

Die Morde vom 19. Februar oder das Knie im Nacken von George Floyd wurden von einer breiten Mehrheit als rassistisch eingestuft und haben allgemein Bestürzung ausgelöst. Im Kleinen wird Diskriminierung von Außenstehenden aber nicht immer erkannt oder benannt. Missbilligende Blicke und kulturelle oder religiös bedingte Zuschreibungen können sehr verletzend sein, ebenso Witze über den Namen oder die Herkunft. Schimpfwörter wie „du Harzer“, „schwule Sau“ oder – wie vor einigen Jahren üblich: „du Jude“ – schaffen ein Klima der Herabwürdigung. Wenn Diskriminierung nicht begegnet wird, kann es zu Ausgrenzung und Mobbing kommen. Um solchen Entwicklungen entgegenzuwirken, haben wir uns zu der Sprechstunde entschieden.

 

 

 

C.Tumay-Marangoz:

 

Wir wollen unsere junge Generation ernst nehmen, sie motivieren ihre Erfahrungen zu teilen und sich gegen Benachteiligung einzusetzen. Gerade vor dem Hintergrund der Hanauer Attentate und dem aktuellen Rechtsruck ist es uns wichtig, Diskriminierung zu ERKENNEN und zu VERMEIDEN.

 

Deshalb sagen wir: Lasst uns über Diskriminierung sprechen!

 

 

 

T. Trikic:

 

Wir stehen für eine offene, bunte und vielfältige Haltung und Atmosphäre an unserer Schule. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ und „ jeder Mensch hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit“ – die ersten beiden Artikel des Grundgesetzes sind wichtige, wenn nicht gar die wichtigsten Pfeiler unserer demokratischen und freiheitlichen Gesellschaft und sollten immer und überall gelten. Leider weicht die Realität oft von Gesetzen oder einem gesellschaftlichen Wunschzustand ab und es finden täglich Diskriminierungen statt, die manchmal offen und gewalttätig, manchmal aber auch sehr subtil und „zwischen den Zeilen“ erfolgen, sei es durch Unaufgeklärtheit und Unwissenheit oder aber aus Hass, der durch Vorurteile und selbst erfahrene Ungleichbehandlung oder Ungerechtigkeit entsteht. Uns ist es sehr wichtig, dass niemand aufgrund seines Seins, seiner unveränderlichen Eigenschaften wie z.B. Hautfarbe, ethnische Zugehörigkeit, sexueller Orientierung oder körperlichen Einschränkungen diskriminiert wird. Wir wollen hinhören, hinsehen und die Ursachen erkennen, sie diskutieren und angehen, in einem offenen Dialog aufeinander zugehen, damit ein zweites Hanau oder Halle keine Chance haben. Aufgrund der politischen Ereignisse und des aufkeimenden Rechtsextremismus und der Fremdenfeindlichkeit, des Antisemitismus und der Islamfeindlichkeit möchten wir an unserer Schule die Werte vertreten und leben, die dem entgegenwirken: Freiheit, Gleichheit, Diversität und Akzeptanz!

 

                                                     

 

Was wir uns für die Zukunft wünschen?

 

T. Trikic:

 

Wir wünschen uns eine breite Sensibilisierung und ein Bewusstsein für Diskriminierungen jeglicher Art, nicht nur unter Schüler*innen, sondern auch unter Kolleg*innen und der gesamten Schulgemeinde. Wir möchten eng mit der Bildungsstätte Anne Frank und anderen Institutionen zusammenarbeiten, z.B. Workshops oder Gesprächsrunden, Lesungen etc. organisieren, die uns diese Themen praxisnah näherbringen.

 

 

 

D. Hofmann:

 

Es wäre schön, wenn es nicht bei unserer Sprechstunde bliebe, wenn beispielsweise auch die Schüler*innen selbst sich für eine Schule ohne Rassismus und Ausgrenzung stark machen würden.

 

Die große Utopie ist, dass die Sprechstunde überflüssig ist, weil Vielfalt und Unterschiedlichkeit nicht als Problem, sondern als Stärke gesehen werden!